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Meine Art des Feminismus und ein Rock


Ich wollte ja mal einen Beitrag zum Feminismus machen und hiermit ist es schon der zweite im Monat für Jules Politisierungssammlung. Was könnte da besser passen, als ein knielanger, schlichter, schwarzer Rock, den ich gerade für mich genäht habe? Und zwar so wie ich ihn brauche und nicht wie mir irgendwer vorschreibt. Ein großer Dank geht hier an Sabrina und Jule die mich mit ihren teilweise sehr persönlichen Beiträgen dem Thema noch näher gebracht haben.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Die persönliche Wahrnehmung vom Feminismus in meiner Jugend war nämlich nicht so gut. Zum einen lag es vielleicht an Personen und ich fand die sprachlichen/ schriftlichen Ansätze umständlich und anstrengend, zum anderen habe ich die Probleme weniger gesehen oder erlebt als ich noch zur Schule/Uni ging. Zum Beispiel war ich schon immer gut in Mathe/Naturwissenschaften und wusste das auch. Außerdem waren mir andere Themen wie der Antifaschismus wichtiger.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - nähen mit Nicki und Jersey - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Jetzt habe ich manchmal das Gefühl nicht 'genug' Feministin zu sein. Doch dann fällt mir ein, ich bin Naturwissenschaftlerin - und lebe es doch eigentlich jeden Tag, nur auf meine Art. Eine Anekdote: Im Labor trug ich lange nur Hosen, wie meine Kolleginnen. Weil es immer Kommentare oder Fragen nach dem Anlass gab, wenn eine mal nen Rock anhatte , haben wir den "Rocktag" eingeführt. Dann hieß es nicht mehr "Oh, warum heute mit Rock?" sondern "Ach, heute ist Rocktag." und irgendwann war's normal.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - schwarzes Alltagsoutfit - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Nun trag ich fast immer Rock zur Arbeit, denn warum nicht wenn sie bequem und praktisch sind. So richtig angefangen die weiten, knielangen Röcke zu tragen habe ich erst als ich lange zu Hause war, um meine Arbeit und Bewerbungen zu schreiben. Denn sie sind bequem wie eine Jogginghose aber ich war trotzdem "richtig angezogen", falls ich doch mal raus gegangen bin und es half auch irgendwie mit der Motivation.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - mittellang und mit Taschen - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Der Rock ist eine Mischung aus dem gestreiften Nickirock, der so schön fällt, und dem schwarzen Rock aus Sweatstoff, den ich im Alltag ohne Bänder trage. Mir schwebte ein schlichterer und vielleicht ein bißchen eleganterer Rock vor, ganz in schwarz natürlich. Nicki ist ja fast wie Samt und schön dunkelschwarz. Doch ein Arbeitsrock braucht Taschen, nur die aufgesetzten passten nicht so recht ins Bild. Nahttaschen sollten es werden.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - einfacher Saum und Leostrumpfhose - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Die wollte ich mir eigentlich selbst zusammenbasteln, doch dann kam dieser Blogbeitrag von PattyDoo raus. Meine sind aus schwarzem Jersey, wie der Nicki und der Bündchenstoff bio (s. u.). Die Vorlage kam mir zuerst etwas groß vor und es sind tatsächlich relativ große Taschen geworden. Dadurch fällt die Seitennaht nicht mehr optimal, aber das ist ok. Der Bund hätte auch ein bißchen enger sein können, naja. Trotz der Unperfektheit ein neuer Lieblingsrock.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - große Nahttaschen - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog
Über die Uni bekomme ich auch einiges zum Thema Feminismus mit (, die sollte da ja auch am fortschrittlichsten sein), meist UK-bezogen. Beispielsweise gibt es das Frauenwahlrecht in England seit 1918, das runde Jubiläum wird also gerade dementsprechend gefeiert. Was dabei oft nicht erwähnt wird ist, daß es nur für Frauen über 30 und mit (Grund-)Besitz galt. Alles klar? Ich war jedenfalls heute auf dem Vortrag: "100 years of women’s suffrage - and still the need to march?" mit  Dr. Shola Mos-Shogbamimu.
Meine Art des Feminismus und ein Rock - bequemer Nickirock - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog
Tolle Woman of Color und sehr inspirierende Aktivistin. Mit nach Hause genommen hab ich viel Motivation, und die Erinnerung daran, daß jeder kleine Schritt wichtig ist. Ich muß nicht in der ersten Reihe marschieren, aber den Mund aufmachen, wenn ich Ungerechtigkeit mitbekomme. "Silence is as bad as committing the crime." Außerdem gemerkt: Es noch gar nicht so lange her da hieß es "Zeig bloß nicht deine Knöchel, sonst denken die Männer du bist xxx"
Meine Art des Feminismus und ein Rock - Outfit selbst genäht und 80% bio- Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog

Für euch hab ich noch ein paar Infos und Links zu dem was hier so los ist. In den University’s Gender pay gap report hab ich auch nur kurz reingesehen. Schonmal gut, daß es das gibt, zumindest für Firmen ab 250 Leuten. Dann wäre da die Veranstaltungsreihe SoapboxScience, bei der Wissenschaftlerinnen ihre Forschungsthemen auf die Straße bringen. Nicht so gut scheint es in Oxford zu sein, wo eine Frau sich der schlechten Umstände wegen für ihr Kind gegen den Job entschieden hat.

Meine Art des Feminismus und ein Rock - schwarzer Rock mit Taschen - Zebraspider DIY Anti-Fashion Blog
Ja, das ist der Pullover, den ich letztens für mich genäht habe. Leider war ein Curryfleck mitten auf dem Bauch nicht mehr zu entfernen, also habe ich den Pulli schwarz gefärbt. Jetzt gefällt er mir sogar noch viel besser, auch wenn das schwarz nicht ganz so dunkel geworden ist. Und bei euch so?
Stoffe (alle GOTS):
Nicki: Velour Velvet black von OrganicCotton
Bündchenstoff: dieser von Nelly Morelly (eher fest)
Jersey: Stoffe.de (nicht mehr erhältlich, aber ähnlicher Stoff mit Elasthan)
Schnittmuster: eigene Abwandlung, hier mit Nahttaschen 

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Kommentare: 4
  • #1

    Stitched Teacups (Dienstag, 27 März 2018 23:08)

    Toller Rock und toller Beitrag! Ich freu mich sehr, wenn meine Beiträge dir was bringen und Feminismus darin nicht wie eine elitäre Burg daherkommt, die zu erobern wenig Erfolg versprechend aussieht. :)

    Dein Tuch gefällt mir auch gut - ich hab vor ein paar Tagen beschlossen, mal wieder zu häkeln und beäuge nun besonders interessiert, was Leute so um den Hals tragen. :D

    Liebe Grüße aus Berlin
    Sabrina

  • #2

    Janina (Mittwoch, 28 März 2018 15:25)

    Danke, danke! Im Gegenteil, ich finde sie sehr informativ. So einige Themen hätte ich hier in England sonst bestimmt nicht mitbekommen. ;)
    Das Tuch hab ich nicht selbst gemacht, aber es ist wirklich toll. Ich hab es von Flederkatze / Queen of Dark bei einer Blogverlosung bekommen. Die Anleitung dazu heißt Virus Shawl/Virustuch und scheint wirklich sehr beliebt zu sein. Für meine Häkelkünste warscheinlich noch ein bißchen zu hoch. :)
    Liebe Grüße aus York
    Janina

  • #3

    Stitched Teacups (Montag, 02 April 2018 12:42)

    Danke! Auf die Weise hab ich's gefunden. :)

    Liebe Grüße
    Sabrina

  • #4

    Janina (Montag, 02 April 2018 12:52)

    Prima, gerne! :) Interessant ist ja, daß scheinbar niemand so genau weiß wo das Muster urspünglich herkommt.
    Liebe Grüße
    Janina