Not-OP an einer totgeglaubten Hose


Eine kaputte Lieblingshose - ich denke jeder hat eine, oder? Ein Kumpel von mir bat mich neulich um Hilfe bei seiner. Die Hose war hinten so im Arsch, daß mehrere Änderungsschneider ihn wohl schon weg geschickt hatten. Ich repariere eigentlich nicht so gerne, wahrscheinlich weil ich das früher so oft machen musste, aber ich schmeiße auch ungern Sachen weg. Falls du auch ein Teil hast von dem du dich nicht trennen kannst, zeig ich dir wie du es haltbar reparieren kannst anstatt was neues zu kaufen.

Hose reparieren: Risse mit Stoff unterlegen, kleben und festnähen

Der erste Schritt ist: Bügeln. Bei den ganzen Fetzen war kaum ne Form zu erkennen. Nach dem Bügeln mit einem improvisierten Bügelbrett in der Hose (Brett + Bügelunterlage) hab ich gesehen: Ist gar nicht mehr so schlimm wie gedacht. Wenn der Stoff so dünn und mürbe ist, verstärke ich ihn am liebsten mit einer Lage Jeansstoff oder Twill - denn die Risse nur zusammenzunähen würde die Hose enger machen und es würde wahrscheinlich bald wieder aufreißen.

Früher hab dazu ich viel Stoffkleber benutzt, der durch Bügeln fixiert wird. Einfacher ist es mit Vliesofix, das beidseitig aufgebügelt wird und eigentlich für Applikationen gemacht ist. Ich leg es auf die Hose, schneide es großzügig zu und bügel es etwa 10 s auf. Dann solltest du etwas geduldiger sein und es ganz abkühlen lassen, bevor du das Papier abziehst. Das Papier ist eine prima Vorlage für den schwarzen Stoff, der danach auf die Klebefläche gebügelt wird.

Als ich das auf der anderen Seite wiederholen wollte fiel mir auf, daß dort ein relativ großes Loch war. Also hab ich ein Stück schwarzen Stoff darunter gelegt, damit mir das Klebevlies nicht hinterher auf der Bügelunterlage festhängt. Dann den Stoff einfach vorsichtig ablösen.

Weiter unten im Schritt hab ich noch zwei kleinere Stoffstücke aufgeklebt und dann alle "Applikation" von innen an den Rändern mit Zickzack an der Hose festgenäht. Die Schrittnaht war auch fast über die ganze Länge aufgerissen. Ich hab keine klassische Naht gemacht, sondern beide Teile überlappend (gut festgesteckt) auch mit Zickzack aufeinander genäht. Jetzt kommt erst der spaßige Teil, nämlich die Fläche von außen mit Nähten zu fixieren.

Dazu nähe ich im Zickzack immer vor und zurück und ziehe dabei den Stoff langsam nach links. Dort wo es einzelne Risse sind, kannst du sie auch einfach am Rand entlang auf den schwarzen Stoff nähen. Das war's schon - gar nicht so schwer, oder? :)

Mit Stretch-Hosen kannst du das prinzipiell auch machen, aber es gibt ein paar Sachen zu beachten: Der Stoff sollte auf jeden Fall so elastisch sein wie der Hosenstoff und in gleicher Richtung verarbeitet werden. Zum Fixieren werden am besten nur wenige Klebepunkte am Rand vom Riß gesetzt, was das Nähen allerdings nicht einfach macht. Damit es dich verrutscht, kannst du ein paar Stecknadeln nehmen. Die Zickzack-Nähte an sich sind ja elastisch, sollten aber nicht zu dicht nebeneinander liegen, sonst wird es auch zu fest.

Hier noch ein Bild von meiner ersten und lange Zeit einzigen Punk-Hose. Ich hab sie zuerst schwarz gefärbt und dann Bleiche drüber gekippt, daher sind die Flecken wohl weiß geworden. Aufnäher durften natürlich nicht fehlen und ein paar Bandnamen hab ich direkt mit Stofffarbe drauf gemalt. Ich hab sie ständig getragen und immer wieder repariert - besonders an den gebleichten Stellen und auch mal mit Flicken von außen. Ziemlich Punkrock, oder? Heute ziehe ich sie - wie du vielleicht sehen kannst - nur noch zum Streichen an, denn leider passt sie nicht mehr wirklich.

Ich muß ja zugeben, ich hab immer einen ganzen Stapel mit Klamotten, die ich noch reparieren will, kann mich aber selten dazu aufraffen. Wie hältst du es mit dem Reparieren? Kaufst (oder nähst) du einfach neu, machst es selbst oder gibst du es lieber in erfahrene Hände? Von welchem Teil kannst du dich am schwersten trennen?


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Kommentare: 6
  • #1

    lenelein (Montag, 27 April 2015 17:38)

    Oh ja, das leidige Thema Reparaturen und Änderungen... *seufz* Mein Stapel ist Wochenende tatsächlich etwas kleiner geworden: Ein Shirt für meinen Freund umgenäht, ein Kleid enger gemacht und bei einem anderen den Saum gekürzt. So wie du habe ich auch schon Hosen geflickt, aber ohne Vliesofix nur mit Nadeln feststecken und dann mit Zickzack drüber. Allerdings war von den Hosen auch noch ein bisschen mehr vorhanden, wir sind nicht ganz so punkrock wie du und dein Kumpel! ;)

  • #2

    Janina (Montag, 27 April 2015 19:56)

    Oh, da warst du aber fleißig. ;) Ich sollte auch mal anfangen und gleich ein paar Sachen auf einmal machen.
    Haha, ja stimmt. Bei kleinen Rissen gehts auch ohne kleben, bei der großen Fläche macht es das Nähen so viel einfacher. Er hat sich vorhin richtig gefreut, als er seine Lieblingshose wiederhatte. :D

  • #3

    Frau_Shmooples (Sonntag, 03 Mai 2015 09:17)

    Schon nachdem ich nur Titel und das erste Bild gesehen hatte, war für mich klar: Das machst Du auch! Denn zuerst hatte ich einen Rock erkannt XD
    Aber auch als ich weiter las, fand ich die Idee klasse. Ich hab auch noch eine Hose hier, die an einem Gürtelriemchen gerissen ist - sehr blöde Stelle. Momentan bin ich eh zu pummelig für das gute Stück, aber ich hab sie mir noch aufgehoben, in der Hoffnung einmal eine Eingebung für eine sinnige Reparatur zu haben. In der Regel schiebe ich solche Sachen nämlich sehr gerne lange auf xD
    Meine letzte Lieblingshose hab ich auf meine Schmuckkiste geklebt, um sie aufzuhübschen… xD Aber die hätte ich auch nie wieder angezogen, weil die für meinen Stil an einigen Stellen einfach zu häßlich geworden war, nachdem ich sie viele Jahre lang geliebt hatte </3

  • #4

    Janina (Sonntag, 03 Mai 2015 11:35)

    Hey, danke - das freut mich! Mit einem Rock geht das sicher auch :D Gürtelschlaufen sind zwar nur ne kleine Stelle, aber verstärken hilft bestimmt.
    Ach, ich schieb das auch immer auf und hab hier noch ein paar Hosen, die gerade nicht passen. ;) Ist ne schöne Idee, das gute Stück so noch weiter zu verwenden. :)

  • #5

    vonKarin (Montag, 18 Mai 2015 20:53)

    Jaaaa - so mach ich das auch. Problematisch wird es immer, wenn es Skinny Jeans in XS von meiner Tochter sind. Da kommt man immer so schwer ins Bein - da trenne ich dann einfach eine Bein-Naht auf, wenn das Knie repariert werden muss. Manchmal wenn ich mich an die Maschine setze um ein bisschen zu nähen, komme ich vor lauter Reparaturarbeiten gar nicht ans neue Projekt, das ich eigentlich machen wollte. Aber ich denke, das geht nicht nur mir so.
    Auf jeden Fall ist die Dokumentation deiner Jeans-Not-OP wunderbar ausführlich und gut beschrieben. Das hilft mit Sicherheit dem einen oder anderen Leser weiter.
    Lieben Gruß
    von Karin

  • #6

    Janina (Montag, 18 Mai 2015 21:16)

    Hi Karin,
    stimmt, bei engen Jeansbeinen wird's schwierig. Ich hab bei meiner Hose die Löcher in den Knien dafür genutzt - und dann so gelassen ;)
    Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße
    Janina